sittenundgebraeuche

 

(Bild anklicken, wenn du magst)

Rathaus in Benneckenstein

Die Sitten und Gebräuche Benneckensteins

Wie die Sprache, so waren auch die zahlreichen Sitten und Gebräuche Benneckensteins niederdeutschen Charakters. Mit Ausnahme einiger nur für Benneckenstein typischen Erscheinungen, wie Finkenmanöver, Kirmes, Fackelabend, Martinstag sowie einigen Weihnachts- und Fastnachtssitten, ähnelten sie denen des Nordharzes.

Die größtenteils kirchlichen Fest- und Feiertag galten stets als Höhepunkt im harten und entbehrungsreichen Jahreslauf der Bewohner des Hohen Harzes.

 Ek winsche jiech en gude Niejahr, prave Nahrunge, Friede un Einigkeit, de ewije Selijkeit, jetreue Nappern un desglieken !

 ( Ich wünsche Euch ein gutes Neujahr, brave Nahrung, Friede und Einigkeit, die ewige Seligkeit, getreue Nachbarn und dergleichen ! )

Mit diesen und anderen Gratulationen, frommen Wünschen und gleichzeitigem Abfordern von kleinen Geldgeschenken, begann in Benneckenstein der Neujahrstag, dem das übliche „Silvestersingen“ der Kinder vorausgegangen war.

Texte des Silvestersingens, bei dem die Kinder Süßigkeiten, Gebäck, kleines Spielzeug und auch kleine Geldgaben erhielten:

 Hans, Hans Kennije jiew meek maln Pennije,

laat meek nich telange stahn

eek mott nochn Hiesken wieder gahn.

 oder

 Drei Rosen, drei Rosen, die blühn auf einem Stengel,

der Herr ist schön, der Herr ist schön,

die Frau ist wie ein Engel.

 oder

 Die goldne Schnur geht um das Haus, Schätzchen bist du dri..hinne,

reich mir maln Groschen raus, ich will dir auch was si...hingen,

singen, singen kann ich nich, setz mich auf die Tre..heppe,

warte bis mein Schätzchen kommt, dann geh`n wir zusamm ins Bee..htte.

  

Der 2. Januar, der „Wooldmannsdaach“, war bei den Holzfällern und Fuhrknechten, aber auch bei den Holzschnitzern, Tischlern, Böttchern, Stellmachern, Blochhauern und Zimmerleuten als Unglückstag verschrien, an dem möglichst nicht gearbeitet werden sollte. Erst nach dem „Drei-Königstag“, einem der ältesten kirchlichen Feste, wandte man sich wieder mit gewohntem Eifer den alltäglichen Arbeitsverrichtungen zu.

Die „Fastnacht“, die heute mit wochendauernden Kostüm- und Karnevalsfeiern einhergeht, bedeutete ursprünglich die „letzte Nacht“ vor der 40-tägigen, bis Ostern währenden Fastenzeit. In der Vorahnung des nahenden Frühlings besaßen diese Fastnachtsfeiern, bei denen „Schluck“ und „Prilleken“ nicht fehlen durften, somit ihren doppelten Sinn .Das Osterfest nahte – und mit ihm ein alter, einst heidnischer Brauch, der sich bis in die heutige

 Zeit erhalten hat: das Abbrennen von Osterfeuern am Vorabend des Ostersonntages. Nach altem Volksglauben sollten die entfachten Holz- und Heckenstöße, auch „Bockshörner“ genannt, welche von der Schuljugend in tagelanger Arbeit rings um den Ort errichtet wurden, ein wirksamer Schutz gegen allerlei Unwetter, Missernten, Tod und Krankheiten bilden. Zu diesem Zweck verstreute man Asche auf die angrenzenden Feldfluren, gab sie dem Vieh in die Tränke und bewahrte einige wenige verkohlte Holzreste vorsorglich im Hause auf.

Die einzelnen Tage der Osterwoche besaßen in Benneckenstein einen besonderen Namen, sie hießen:

 Fuelder Mahndaach

Scheiwer Dinnsdaach

Krummer Middewochen

Greunder Donnerschdaach

Stiller Friedaach

und Fetter Sennahmd

 Nachdem am 1. Mai die bewirtschafteten Wiesen nicht mehr betreten werden durften und die Köhler ins Hai hinauszogen, um wieder ihrem schwarzen Gewerbe nachzugehen, fand am ersten Sonntag des Monats traditionsgemäß der erste Viehaustrieb statt. Unter Beteiligung vieler Schaulustiger wurden die sich noch wild gebärdenden braunen Harzkühe von ihren Besitzern und dem blumenbekränzten Hirten hinaus auf die Weide geführt. Erst am nächsten Tag erhielten die Kühe unter bestimmten Taufzeremonien ihre melodischen Glocken.

Die gleiche Zeremonie wurde auch mit den Ziegen durchgeführt.

Wenn in den Maitagen der Kuckuck seinen Ruf ertönen ließ, durfte endlich der frisch geräucherte Schinken angeschnitten werden.

Die heutigen beliebten Himmelfahrtsausflüge durch grünende Wälder und überfüllte Gastwirtschaften wurden in den früheren Tagen nicht in solchem Umfang getätigt.

Ursprünglich nutzten die Landbesitzer diesen Tag für die alljährlichen Flurbegehungen und Grenzabschreitungen. Aber sicher spielte schon damals das „Himmelfahrtsbier“ eine nicht unwesentliche Rolle.... Ein längst verstorbener Chronist berichtet:

 „Freuer, da toochten de Porschen un Mäkens von Benneckensteine un Danne int Greune Grünneken, um sek taun Himmelfahtsbeiere ein paar vorgniejete Schtunn te maken. En Fätchen Beier un enn Schluck war meddenomm un orntich einder edrunken. Kwischendorrich war ok emal en Lied esungen oder edanzt. Musike makten de Porschen met en Blaseballije, Driangel un ner Laute sillem. War dat en Lebend ! Allet war uhter Rand un Band ! Mannichmal aarte dat awer ok en been uht.....te guder letzt harrten sek de Dännschen un de Benneckensteinschen bien Wickele, un et jaf Langholt, immer von Boomdahle. Dabie war ok emal einen en Ohr ahfeschlan oder en Finger ahfebetten. Un wat war et Enne von Schpele ? Et Himmelsfahtsbeier war polizeilich verboden.

 

(Früher, da zogen die Burschen und Mädchen von Benneckenstein und Tanne nach Grüntal, um sich zum Himmelfahrtsbier ein paar vergnügte Stunden zu machen. Ein Fässchen Bier und Schnaps wurden mitgenommen und ordentlich einer getrunken. Zwischendurch wurde auch ein Lied gesungen oder getanzt. Musik machten die Burschen mit einem Blasebalg, Triangel und einer Laute selbst. War das ein Leben! Alle waren außer Rand und Band! Manchmal artete das aber auch ein wenig aus.... zu guter letzt hatten sich die Tanner und die Benneckensteiner beim Wickel, und es gab eine mächtige Schlägerei. Dabei wurde auch einmal ein Ohr abgeschlagen oder ein Finger abgebissen. Und was war das Ende vom Spiel? Das Himmelsfahrtsbier wurde polizeilich verboten)

Bald kündigte sich das Pfingstfest an. Der Brauch des Herumführens eines mit bunten Bändern und Maigrün „uhtschtaffierten“ Pfingstochsen, wie auch die „frevelhaften Streiche“ der Jungen in der Nacht zum Pfingstsonntags gehören nun längst der Vergangenheit

an. Dagegen haben einige andere schöne Bräuche wiederum ihre Existenz in der Neuzeit gefestigt. Zu ihnen gehören neben dem feierlichen Aufstellen des Maibaumes vor allem das allerorts bekannte Finkenmanöver – der Sangeswettstreit der Harzer Buchfinken. Die gefiederten Sänger waren von je her beliebt bei den Benneckensteinern, die sich allzu gern mit einem Ziesken (Zeisig), Gimpel ( Dompfaff), Grienitzer ( Kreutzschnabel) oder Helefling ( Hänfling) ein Stückchen Natur in ihren tristen Arbeitstag holten.

Die Finkenfreunde haben sich das angeborene Rivalitätsverhalten der Buchfinkenhähne während der Paarungszeit für ihre Zwecke zu Nutze gemacht. Dem Bestreben, das eigene Revier zu verteidigen und jeden Nebenbuhler zu vertreiben, wird nämlich auch in der Gefangenschaft in weißumhülltem Bauer kein Abbruch getan.

Im Morgengrauen des Pfingstmontags schmettern sich nun auf der Waldschlößchenschneise - nach der Absolvierung des fünfminütigen „Schönheitssingen“, bei dem jeder „Schönheitsfink“ seine individuellen Gesänge einzeln dem expertierten Kampfrichtertrio vorzutragen hat – die aneinander gereihten Streithähne im direkten Wettkampf ihre dreisten Sangesstrophen entgegen:

Grober Weidan, Reiterspazier, Plockspiepe, Putzebart, Weitzaptier, Akziestier, Jecke-reiter, Kleiner und Grober Batteram.

 Insgesamt unterscheidet man ca. 50 Harzer Buchfinkenschläge.

Während die Schwächeren bald in ehrfürchtiges Schweigen verfallen, setzen die Stärkeren ihre Konkurrenz so lange fort, bis am Ende der Sieger mit ca. 350 Schlägen gefeiert – und dessen Besitzer als neuer Finkenkönig, gekrönt werden kann.

Im Anschluß an die Siegerehrung besorgen folkloristische Darbietungen, Musik, Tanz und das rituelle „Pfingstwurst-braten“ den frohgestimmten Fortgang der Pfingstfeierlichkeiten.

 

Das Ende Juni stattfindende Schützenfest galt mit seinen mehrtägigen Vergnügungen und Schießwettbewerben als Höhepunkt im Jahreslauf der Benneckensteiner.

 Zu Ehren des „Heiligen Laurentius“, dem Schutzheiligen der Kirche, dessen Märtyrertag der 10. August ist, begingen die Benneckensteiner am ersten Augustwochenende das Fest der Kirchweih. Diesem, auch Kirchmesse oder Kirmes genannten Markttag maß man von je her große Bedeutung bei. Selbst die Handelsleute, die mit den Gespannen ganz Deutschland bereisten, nahmen das Ereignis für eine zwischenzeitliche., teils halbjährige Rückkehr in die Heimat zum Anlaß.

Wenn`t Karremisse is, wenn`t Karremisse is

denn schlacht mien Vater en Bock

denn danzt miene Mutter, denn danzt miene Mutter

in roden, roden Rock !

So sangen freudig die Kinder, wenn die Kirmes nahte.

 

Wenn die „Quitschen“ (Vogelbeeren) reiften, die Kartoffelfeuer aromatischen Duft verbreiteten und die Hirschbrunft ihre nächtlichen Lauscher in die Wälder lockte, fand die

mühselige Arbeit auf den steinigen und ertragsarmen Feldern ihren Abschluß. Am ersten Sonntag im Oktober wurde stets das Erntedankfest gefeiert.

Am selben Tag versammelte sich die Schützenkompanie zum „Porzellanschießen“. Vierzehn Tage vorher war das „Vogelschießen“ absolviert worden.

Am 18. Oktober gedachte alljährlich die Benneckensteiner Jugend mit einem Fackelabend der „Völkerschlacht in Leipzig“, dem Ende der unglückseligen „Franzosenzeit“ von 1806 – 1813. Zu diesem Anlaß fertigte man metergroße, fichtene Spanfackeln, deren Scheitholz aufgespalten, gespreizt und mit imprägnierter Holzwolle angefüllt wurde.

Es bot sich ein beeindruckendes Bild, wenn die umliegenden Anhöhen vom Schein, der im Kreise geschwungenen stiebenden Fackeln, erleuchtet wurden.

Am Martinstag, dem 10. November, der dem gedenken Luthers gewidmet ist, ziehen noch heute die Kinder mit ihren Laternen unter Führung des Pfarrers durch die abendlichen Straßen.

Es wurde der Martinsbraten verzehrt.

Nach Martini begann die Zeit der Hausschlachtungen.

Der erste Advent leitet die stille Weihnachtszeit ein. Den geschäftigen Tagen des vorweihnachtlichen Großreinemachen und Stollenbackens folgten die besinnlichen Feiertage mit ihren bekannten Bräuchen.

Mit der „Kwischenfesttied“ ( Zwischenfestzeit ) schließt sich der Jahreslauf und wieder verkündeten die Glocken der Laurentiuskirche den Beginn des Neuen Jahres.

  



Kostenlose Webseite erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!